Neue Wege in der Beratung und Begleitung im Hundesportverein

Der GHSV Dortmund Eichlinghofen ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit dem Jahr 1955 kontinuierlich um die Belange von Hundeführenden und deren Hunde kümmert. Dabei haben sich im Laufe der Zeit die Trainingsansätze und Methoden stark verändert. Trainer und Trainerinnen haben sich dazu immer wieder aktuellen Erkenntnissen im Hundesport zugewendet und setzen ein möglichst passgenaues Training für unterschiedliche Mensch-Hunde-Teams um. Dies gilt besonders für das Training mit Hunden, die besondere Bedürfnisse aufweisen. Zurzeit finden Kurse und Übungsstunden für Mitglieder und Kursteilnehmende in den Bereichen Basiserziehung, Agility, IGP und Vorbereitung auf die Begleithundeprüfung auf unserem Vereinsgelände im Tiefenbachtal statt. In unserer Vereinsarbeit geht es vor allem um Spaß bei der artgerechten Beschäftigung mit unseren Hunden, Lernen ohne Zwang und Druck und Individualität.

In allen Sparten unseres Angebots finden sich auch Hundebesitzende mit so genannten „Tierschutzhunden“ oder Hunde, die aus einem Tierheim vermittelt worden sind zum Training ein. Die meisten von ihnen suchen eine Möglichkeit, sich artgerecht mit ihren Hunden zu beschäftigen. Sie möchten das Verhalten ihrer Tiere besser verstehen und somit ihre Beziehung zu den Tieren stärken. Hunde, die beispielsweise mit traumatischen Erfahrungen, vielleicht sogar aus dem Ausland zu uns kommen, brauchen einen speziellen Übungsansatz. Für diese Hunde geht es erst einmal um Vertrauensstärkung und Beziehungsaufbau. Aber auch ältere Hunde oder Hunde aus Tierheimen zeigen oftmals ein Verhalten, das durch die Aufenthalte und Beziehungsabbrüche geprägt wurde. Hier gilt es die Kompetenzen der Hundebesitzenden zu stärken und auch kleine Fortschritte wahrzunehmen.

Gerade durch Mund-zu-Mund Propaganda hat sich unsere individuelle Gestaltung der Übungsstunden herumgesprochen und viele Hundehaltende mit Tierschutzhunden oder ehemaligen Tierheimhunden fragen gezielt bei uns an und bitten um die Möglichkeit, am Training teilzunehmen. Dabei beschäftigen sich die Anfragenden auch immer zusätzlich mit klassischen Themen wie Aufmerksamkeit, Leinenführigkeit oder Rückruf. Diese werden, je nach Trainingszustand des Hundes, auch mit anderen Ausbildungselementen kombiniert.

Da viele unserer teilnehmenden Hunde aufgrund von unsicherem Verhalten die klassische Begleithundeprüfung des Dachverbandes (DVG) zunächst nicht ableisten können, haben wir uns für ein neues angepasstes Modell entschieden. Wir haben dafür eine spezielle Checkliste „MHTT:  Mensch-Hund-Team-Test“ entworfen, die den Teilnehmenden helfen kann, ihren Trainingsstand nachzuvollziehen, Steigerungsmöglichkeiten zu erkennen und Fortschritte sichtbar zu machen. Diese Checkliste wurde bereits in unser Trainingskonzept eingearbeitet und wird nun weiter erprobt.

Diese spezielle Checkliste gibt es in zwei Schwierigkeitsgraden. Zunächst geht es um Basisübungen, die auf das Verstehen des Hundes hinzielen, um Leinenführigkeit und die Interaktion zwischen dem Hund und dem Menschen. Aber auch um kleine Übungen zum Medizincheck wie beispielsweise Gehörgänge und Zähne begutachten oder Pfoten untersuchen. Abgerundet wird der Test durch einen kleinen theoretischen Teil, in dem es um die Erkennung von Stresssignalen und Überforderung beim Hund geht.

Hat das Mensch-Hunde-Team den Test so weit bestanden, wird die Urkunde „Kleiner Weggefährte“ ausgehändigt. Durch diese wird den Hundeführenden eine Anerkennung verliehen, die sie zum Weiterüben motivieren kann. Die zweite Stufe ist dann die Checkliste mit dem Test zum „Großen Weggefährten“. Dieser besteht ebenfalls aus Basisübungen, die dann unter moderater Ablenkung stattfinden, aus Übungen zur Impulskontrolle oder zur körpersprachlichen Interaktion. Auch dieser Test wird mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Am Beispiel einer 4 jährigen Hündin aus dem Tierheim Dortmund, wird der Sinn eines solchen Mensch-Hund-Team-Tests nun verdeutlicht. Mine, eine Jagdterrier Mischlingshündin hat ihr erstes Lebensjahr in nicht artgerechter Haltung verbracht. Ihr Besitzer konnte sie nicht behalten und so kam Mine schließlich ins Tierheim Dortmund. Dort wurde sie nach den üblichen Standards versorgt. Bis offiziell geklärt wurde, dass Mine in die Vermittlung kommen durfte, musste sie in ihrem Zwinger bleiben und durfte nicht ausgeführt werden. Als klar wurde, dass ihr ursprünglicher Besitzer Mine nicht mehr halten durfte, wurde sie zur Vermittlung freigegeben. Nun galt es geeignete neuer Besitzer zu finden, die sich diese Aufgabe, eine Jagdterrier Hündin aufzunehmen, zutrauten.

Glücklicherweise gibt es im Dortmunder Tierheim ehrenamtliche Gassigänger und Gassigängerinnen. Diese ehrenamtlich Tätigen verbringen ihre Freizeit damit, Tierheimhunde auszuführen und somit dazu beizutragen, dass diese Hunde möglichst schnell wieder ein Für-immer-Zuhause finden können. Katja wurde die Gassigängerin, die Mine regelmäßig ausführte. Beide verbrachten fortan viel Zeit miteinander, machten lange Spaziergänge und konnten auch schon kleine Übungen bei ihren Ausflügen durchführen. So verging erst einmal einige Zeit. Als Mine dann, nach einem misslungenen Vermittlungsversuch, wieder im Dortmunder Tierheim landete, stand für Katja fest, dass sie Mine zu sich und ihren Mann nach Hause holen wollte. Beide haben sich gut informiert und waren sich der Aufgabe dann bewusst.

Nach den ersten Wochen gemeinsam mit Mine nahm Katja dann Kontakt zu unserem Hundesportverein auf. Sie schrieb eine lange erklärende Mail und bat um Unterstützung und Beratung. So kamen die Beiden zu uns ins „Basis Training“. Mit viel Geduld, einen individuellen Plan und kleinen Übungen wurden schnell erste Fortschritte in Richtung „Beziehungsarbeit“ deutlich. Allen war klar, dass die Beschäftigung mit dem quirligen selbstbewussten Hund eine spezielle Aufgabe war, die durch ständiges Üben begleitet werden muss. Es ging uns auch im späteren Verlauf darum, Mines Bedürfnis nach einer ausgiebigen Nasenarbeit ebenfalls zu befriedigen und nicht nur Basisübungen durchzuführen. So erschnüffelt Mine heute zuverlässig kleine Gegenstände auf dem Rasen des Hundeplatzes. Da sie in dem eingezäunten Gelände auch einmal ohne Leine laufen kann, das wäre draußen aufgrund ihres starken Jagdtriebs nicht möglich, ist dieses freie Üben für Mine und Katja besonders gewinnbringend.

Katja und Mine waren das erste Mensch-Hund-Team, das den Test auf unserem Hundeplatz absolviert hat. Eine klassische Begleithundeprüfung wäre zum jetzigen Zeitpunkt viel zu herausfordernd gewesen. Der bestandene Test zeigt die guten Fortschritte, die Beide gemacht haben und motiviert sie dazu, weiter zu Üben. Die Urkunde zum „Kleinen Weggefährten“ hängt nun als Auszeichnung bei Katja und Mine zu Hause.

Weitere Informationen gibt es beim GHSV Dortmund-Eichlinghofen e.V. unter:
https://mv-eichlinghofen.jimdoweb.com/

Bericht: Sabine Janowski
Foto Katja Fernandes

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