Fokus auf die Prüfungsordnung: DVG-Helferschulung im Zeichen von Fairness und Qualität
Was macht man an einem sommerlichen Sonntag im Juli? Richtig, man packt die Hunde ein, schnürt die Sportschuhe und trifft sich auf dem Hundeplatz! Der SPV Kamp-Lintfort 1919 war am vergangenen Wochenende der perfekte Gastgeber für die DVG-Helferschulung. Obwohl die teilnehmenden Schutzdiensthelfer alte Hasen im Geschäft sind und jahrelange Erfahrung auf den Platz bringen, stand der Tag im Zeichen der absoluten Präzision: Die praktische Arbeit sollte wieder haargenau an der aktuellen Prüfungsordnung ausgerichtet werden.
Der Theorieteil: Klare Worte zu Regelwerk und Verbandspolitik
Den Einstieg in den Tag machten Volker Sulimma (Obmann für Gebrauchshundsport) und Markus Klukas (DVG LRO) mit einem intensiven theoretischen Teil. Da DVG-Helfer aufgrund ihrer hohen Ausbildungsqualität extrem gefragt sind und regelmäßig bei Veranstaltungen anderer Verbände unterstützen, zeigt sich in der Praxis manchmal ein unterschiedlicher Wissensstand bezüglich des aktuellen Regelwerks. Sulimma verdeutlichte dies an einem praktischen Beispiel aus einer Schulung eines Rassezuchtverbands: Dort wurde stellenweise noch nach älteren Abläufen gearbeitet, bei denen beispielsweise der Arm vor dem eigentlichen Angriff hochgenommen wurde. Auch bei den aktuellen Inhalten der VDH-Kommission sieht der DVG Klärungsbedarf, da dort mitunter Ansätze vermittelt werden, die sich so nicht eins zu eins mit den Vorgaben der offiziellen Prüfungsordnung decken. Klukas betonte, dass die strikte Orientierung an den FCI-Regeln der sportlichen Fairness dient, um für alle Teams transparente und vergleichbare Bedingungen zu schaffen. Abweichende Auslegungen bergen das Risiko, die Helfer in der Praxis zu verunsichern. Dennoch zog er ein positives Fazit: Durch die Anwesenheit von Helfern, Sportlern und Leistungsrichtern entstand eine produktive Diskussion über den bestehenden Handlungsspielraum im Sinne des Hund-Mensch-Teams.
Experten-Box: Volker Sulimma: „Wir wollen den Helfern tatsächlich noch mal zeigen, wie PO-gerecht gearbeitet wird. Dazu wurden einige Videos gezeigt, wie wir uns das Vorstellen bzw. wie tatsächlich die PO das vorschreibt.“
Experten-Box: Markus Klukas:„Schwerpunkt hier im theoretischen Teil lag in den Vorgaben aus der Helferbestimmung und wie wir uns vorstellen, dass die Helfer das in der Praxis so prüfungskonform wie möglich umsetzen.“
Die Praxis auf dem Platz: Neue Wege bei Belastung und Einstellung
Im praktischen Teil übernahmen die erfahrenen Großveranstaltungs-Helfer Achim Junghans und Benjamin „Benny“ Breiner das Kommando. Sie präsentierten ein durchdachtes, modernes Trainingsprogramm. Die Idee dahinter: Die Belastungsphase anzupassen und zu erhöhen – und zwar ohne den klassisch weggefallenen Stockbelastungstest. Statt einen Hund von Anfang bis Ende durchzuarbeiten, wurde das Training in gezielte Einzelübungen gesplittet. Dadurch konnten die Helfer den Fokus viel häufiger auf die korrekte Abwehr legen, als es im klassischen Ablauf möglich gewesen wäre. Das oberste Gebot über dem gesamten Training blieb die absolute Fairness für den Hund. Erst danach folgt die Belastung für eine gleichmäßige, faire, aber prüfungskonforme Selektion.
Experten-Box: Achim Junghans & Benny Breiner: „Man muss mehr an der Einstellung der Helfer arbeiten, damit sie mehr aus sich herauskommen. Vielleicht geht man mit 100 % Kampfgeist an die Sache heran und setzt 90 % auf das Technische. Am Ende muss es für alle fair bleiben – das ist das Allerwichtigste.“
Fazit, Ausblick und Teilnehmerfeld
Beim Leistungsstand bescheinigten die Trainer den Helfern eine allgemein ziemlich gute Grundfitness. Gleichzeitig blieb man ehrlich: Bei sehr schweren Hunden sah man dem einen oder anderen Helfer an, dass die Fitness noch ausbaufähig ist. Die größten Erfolge zeigten sich jedoch schon in der zweiten Runde: Bei den Wiederangriffen und der Abwehr gab es in extrem kurzer Zeit einen gewaltigen Fortschritt bei den Teilnehmern zu sehen. Ein besonderer Dank gilt den angereisten Schutzdiensthelfern aus den verschiedenen Regionen, die durch ihren Einsatz zum Erfolg der Schulung beigetragen haben:
- Landesverband Westfalen: Michael Meyer, Tim Zielske
- Landesverband Nordrheinland: Sam Wehmeyer, Nico Bender, Björn Pansegrau, Dario Lennartz
- Landesverband Saarland: Christopher Colle, Olaf Wagner
- Landesverband Niederrhein: Daniel Förmer
Das Fazit: Erschöpft, aber glücklich
Am Ende des Tages stand fest: Der Schweiß hat sich gelohnt. Die Köpfe rauchten von der Theorie, die Muskeln brannten von der Praxis auf dem Platz – aber genau so muss ein richtig guter Trainingstag aussehen! Ein riesiges Dankeschön geht an den SPV Kamp-Lintfort 1919 für die erstklassige Verpflegung und Organisation. Ein ganz besonderer Dank gilt natürlich auch allen Hundeführern, die ihre Hunde für die praktischen Einheiten zur Verfügung gestellt haben – ohne eure vierbeinigen Sportpartner und euer Engagement auf dem Platz wäre so eine praxisnahe Schulung schließlich überhaupt nicht machbar gewesen! Die Erwartungen an die Zukunft sind jedenfalls groß: Die geschulten Schutzdiensthelfer wurden optimal auf die anstehenden Großveranstaltungen wie die Landesgruppenausscheidungen oder die Bundessiegerprüfung vorbereitet. Jetzt gehen sie vollgepackt mit neuem Input als wichtige Multiplikatoren zurück in ihre eigenen Vereine, um das Gelernte flächendeckend weiterzugeben. Der DVG ist im Schutzdienst auf einem verdammt guten Weg!
Bericht und Fotos: Nina Post
