Wenn nur noch die Nase zählt
Westfalens beste Fährtenhunde treffen sich zur Landesmeisterschaft in Königsborn
Sonne, trockener Boden und gespannte Erwartung: Bei der Landesmeisterschaft der Fährtenhunde des DVG-Landesverbandes Westfalen gingen am Wochenende 15 Teams an den Start. Für die Hundeführer heißt es dabei vor allem eines: Vertrauen. Denn sobald der Hund angesetzt ist, übernimmt die Nase – und jeder noch so kleine Fehler kann wertvolle Punkte kosten. Am 3. und 4. Oktober trafen sich die besten Fährtenhundeteams des Landesverbandes in Unna-Königsborn zur Landesmeisterschaft Fährtenhunde in der Disziplin FCI-IGP FH. Ausrichter war der MV Unna-Königsborn e. V., als Leistungsrichter waren Jürgen Knappe und Martin Gugler eingesetzt..Zwei Tage lang standen Konzentration, Ausdauer und das perfekte Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund im Mittelpunkt. Doch wer eine solche Meisterschaft nur auf die Arbeit der 15 gestarteten Teams reduziert, sieht nur einen kleinen Teil dessen, was hinter einer solchen Veranstaltung steckt.
Ein Ausrichter, der nichts dem Zufall überlässt
Dass am Ende alles funktioniert, beginnt lange vor dem ersten Start. Der MV Unna-Königsborn hatte sich auf die Veranstaltung hervorragend vorbereitet und sorgte für einen professionellen Rahmen. Vom Fährtengelände über die Organisation der Fährtenleger bis hin zur Verpflegung vor Ort war die Veranstaltung bestens vorbereitet. Auch das Wetter spielte mit. Trocken und warm präsentierte sich das Wochenende, und auch unter den Hundeführern herrschte eine gute, entspannte Stimmung. Bei aller sportlichen Spannung war der gegenseitige Respekt deutlich spürbar. Für die Fährten und deren Einweisung war Leistungsrichter Frank Emmerich verantwortlich. Gemeinsam mit seinem starken Fährtenleger-Team sorgte er dafür, dass die Prüfungsfährten korrekt und unter fairen Bedingungen gelegt wurden. Denn eine gute Fährte entsteht nicht einfach irgendwo auf einer Wiese oder einem Acker. Die Fährtenleger müssen genau wissen, worauf es ankommt, wo Winkel und Gegenstände platziert werden und welche Abstände einzuhalten sind. Dafür braucht es eine klare Einweisung, Erfahrung und Präzision.
Eine Woche Arbeit für eine einzige Prüfungsfährte
Fährtenleger Harry Müller weiß, wie viel Vorbereitung hinter einer Prüfungsfährte steckt.
Harry, was macht eine gute und faire Fährte für dich aus?
„Eine gute Fährte macht für mich aus, dass sie korrekt gelegt wird, dass die Winkel korrekt gelegt werden und dass die Abstände eingehalten werden. Das macht für mich eine sehr gute Fährte aus.“
Wie viel Arbeit steckt eigentlich hinter einer einzigen Prüfungsfährte?
„Hinter einer einzigen Prüfungsfährte steckt schon eine Menge Arbeit. Man muss Fahrten für die Fährtenleger organisieren, ein geeignetes Prüfungsgelände besorgen und mit den Bauern sowie den Jagdpächtern sprechen. Dazu kommt der Austausch mit den Teilnehmern darüber, welche Gelände vorhanden sind und was angeboten werden kann. Das alles zusammen bedeutet für mich schon etwa eine Woche Vorarbeit – für eine einzige Prüfungsfährte.“
Was geht dir durch den Kopf, wenn du später siehst, wie die Hunde deine Fährte ausarbeiten?
„Wenn die Hunde die Fährte so ausarbeiten, wie ich sie gelegt habe, dann geht mir vor allem Freude durch den Kopf. Wenn es dagegen nicht so gut läuft, ärgere ich mich natürlich auch ein bisschen, weil viel Arbeit in einer solchen Fährte steckt. Aber letztendlich freue ich mich immer, wenn ein Hund die Fährte erfolgreich absolviert und besteht.“
Martin Rodzoch: Vier Titel in Folge

Der Hundeführer, der mit beiden Hunden ganz vorne landet
An der Spitze der Landesmeisterschaft stand am Ende Martin Rodzoch. Mit Vin Diesel vom Schloßberg sicherte er sich mit 100 und 100 Punkten und damit der perfekten Gesamtpunktzahl von 200 Punkten den Landesmeistertitel. Mit seinem zweiten Hund Peter Maffay vom Schloßberg belegte Rodzoch mit 99 und 100 Punkten und insgesamt 199 Punkten zusätzlich Platz zwei. Für Rodzoch war es damit der vierte Landesmeistertitel in Folge mit Vin Diesel.
Stolz – und ein bisschen Wehmut
Du bist Landesmeister. Was ging dir durch den Kopf, als feststand: Wir sind Landesmeister?
„Als Erstes war ich stolz, zum vierten Mal hintereinander mit Vin Diesel Landesmeister geworden zu sein. Allerdings war ich auch ein bisschen traurig, weil ich mir gewünscht hatte, dass Maffay Landesmeister wird.“
Dass beide Hunde am Ende auf den ersten beiden Plätzen standen, dürfte diesen kleinen Wermutstropfen allerdings zumindest ein Stück weit aufgewogen haben.
Wenn du die zwei Tage mit deinen Hunden in einem Satz beschreiben müsstest?
„Ich bin dankbar, zwei so tolle Hunde aus dieser Linie zu haben, und es macht mir einfach extrem viel Spaß, diese Hunde auf solchen Veranstaltungen zu zeigen.“
Was kann dein Hund besonders gut?
„Ruhe ausstrahlen.“
Und manchmal darf es auch ein bisschen Humor sein: Wenn dein Hund sprechen könnte, was würde er über seine Fährte sagen?
„Heute mal ein Bogen nach außen.“ 😉
Die Richterperspektive: Worauf es auf diesem Niveau ankommt
Martin Gugler über exzellente Fährtenarbeit und Präzision

Leistungsrichter Martin Gugler erlebte die Teams hautnah bei der Bewertung auf dem Feld. Auf die Frage, worauf er als Richter besonders achtet, führt er aus:
Martin, woran erkennst du eine wirklich außergewöhnliche Fährtenarbeit?
„Für mich erkennt man eine wirklich außergewöhnliche Fährtenarbeit an der guten Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund. Der Hund sollte eine gute Ausstrahlung haben, die Fährte intensiv und möglichst in einem gleichbleibenden Tempo durcharbeiten und die Gegenstände sicher und positiv verweisen. Dabei sollte man dem Hund zu keinem Zeitpunkt anmerken, dass er Druck verspürt oder irgendwie unter Stress steht. Im besten Fall arbeitet er freudig und konzentriert – vom ersten bis zum letzten Schritt.“
Welcher Fehler kostet ein Team auf diesem Niveau besonders schnell Punkte?
„Jegliche Art von Hilfen durch den Hundeführer. Nötige oder unnötige Hilfen sind auf diesem Niveau das Teuerste, was man sich leisten kann.“
Was beeindruckt dich bei einem Hund auf der Fährte am meisten?
„Den besten Eindruck vermittelt mir ein Hund immer dann, wenn er wirklich in Schwierigkeiten kommt oder schwierige Stellen bewältigen muss, bei denen sich die Verhältnisse verändern – und er sich von alleine darauf einstellt. Ein Hund, der beispielsweise einen Winkel überläuft und sich anschließend ohne Panik und ohne Stress ruhig wieder einsucht, ist für mich ein Hund, der seine Ausbildung richtig gut verinnerlicht hat. Und man kann auch sagen: Da ist ein guter Hundeführer hinten dran, der seinem Hund vertraut.“
Jürgen Knappe: Vertrauen ist wichtiger als jede Hilfe

Auch Leistungsrichter Jürgen Knappe sprach über äußere Bedingungen, Vertrauen und den besonderen Reiz einer Landesmeisterschaft:
Jürgen, wie bewertest du die äußeren Umstände wie Wetter und Gelände?
„Beim Absuchen muss man immer berücksichtigen, wie die Witterung und die Geländebeschaffenheit sind. Gerade wenn unterschiedliche Geländearten vorkommen, zum Beispiel Wiese und blanker Acker, muss man diese Bedingungen bei der Beurteilung der Leistung mit einbeziehen. Auch die Nähe zu den vielen Zuschauern, wie wir sie bei unserer Landesmeisterschaft haben, kann eine Rolle spielen. Wenn die Fährten nah an den Zuschauern verlaufen, kann deren Einfluss entsprechend größer sein. All diese äußeren Umstände muss man bei der Beurteilung berücksichtigen – sowohl beim Hund als auch beim Hundeführer.“
Und was muss ein Hundeführer seinem Hund auf diesem Niveau mitgeben – Führung, Ruhe oder Vertrauen?
„Für mich ist es vor allem das Vertrauen. Der Hundeführer muss seinem Hund vertrauen und gleichzeitig die nötige Ruhe beim Arbeiten bewahren. Gerade wenn ein Hund einmal Schwierigkeiten zeigt, ist es wichtig, dass der Hundeführer auf ihn vertraut und ihm folgt, anstatt vorschnell irgendwelche Hilfen einzubauen. Denn gerade in solchen Situationen können Hilfen schnell falsch sein und den Hund eher verunsichern.“
Was macht die Landesmeisterschaft für dich als Richter besonders?
„Für mich ist es etwas Besonderes, dass bei der Landesmeisterschaft die besten Hundeführer unseres Landesverbandes zusammenkommen. Sie haben sich das ganze Jahr über darauf vorbereitet, ihre Qualifikationsprüfungen absolviert und sich damit für diesen Wettbewerb qualifiziert. Bei der Landesmeisterschaft versuchen dann alle, ihre bestmögliche Leistung abzurufen. Genau das macht diese Veranstaltung für mich als Richter besonders.“
Ein Podium mit starken Leistungen
Hinter Martin Rodzoch und seinen beiden Hunden belegte Thomas Theimann mit Findus vom Maliattack den dritten Platz. Mit 96 und 99 Punkten kam das Team auf insgesamt 195 Punkte.
Doch nicht nur die drei Erstplatzierten hatten Grund zur Freude. Insgesamt erreichten elf Hundeführer mit ihren Hunden ein Gesamtprädikat „Sehr gut“. Diese Teams werden für die Bundessieger-Prüfung der Fährtenhunde beim HSV Düngenheim e. V. gemeldet. Damit zeigt sich auch in der Breite, auf welchem Niveau bei der Landesmeisterschaft gearbeitet wurde.
Viele Menschen machen eine solche Meisterschaft möglich
Eine Veranstaltung wie diese lebt nicht nur von den Leistungen der Starter. Sie lebt von den Menschen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass alles funktioniert: vom ausrichtenden Verein über die Richter und Fährtenleger bis hin zu den vielen Helfern.
Ein besonderer Dank gilt deshalb dem MV Unna-Königsborn, der die Landesmeisterschaft hervorragend vorbereitet und ausgerichtet hat. Fährtengelände, Organisation, Fährten legen, Verpflegung und die Betreuung vor Ort – an diesem Wochenende stimmte das Gesamtpaket. Ein weiterer Dank geht an Lena von Canis Pixelaris, die im Fährtengelände hinter der Linse unterwegs war und die besonderen Momente der Meisterschaft fotografisch festgehalten hat.
Wenn am Ende nur noch die Nase zählt
Am Ende entscheiden Zahlen und Platzierungen über den Ausgang einer Meisterschaft. Dahinter steht jedoch die Arbeit der Hunde, das Vertrauen ihrer Hundeführer, die Erfahrung von Richtern und Fährtenlegern und der Einsatz vieler Helfer. Fährtenarbeit mag von außen ruhig wirken. Tatsächlich stecken darin Präzision, jahrelange Ausbildung, Erfahrung und eine besondere Verbindung zwischen Mensch und Hund. Und wenn der Hund einmal angesetzt ist, zählt am Ende tatsächlich nur noch die Nase.
Bericht Nina Post
Fotos: Lena von Canis Pixelaris

